Rettet unsere Inseln: Was auf dem Großen Plöner See passiert und wie es weitergeht

Es ist das Bild, das man von Plön kennt: das Schloss auf dem Hügel, die Nikolaikirche, davor der Große Plöner See mit seinen bewaldeten Inseln. Wer in diesem Sommer aufs Wasser geschaut hat, hat ein anderes Bild gesehen. Wo auf Sterin und der Hankenburg grüner Inselwald stand, ragen heute weiße, kahle Äste in den Himmel. Ich möchte hier einmal von Anfang an erzählen, was auf unseren Inseln passiert, warum wir als CDU in Plön die Initiative „Rettet unsere Inseln“ gestartet haben und wie es jetzt weitergeht.

Wie alles anfing: vom abgelegenen Teich mitten auf den See

Kormorane gehören seit Jahrzehnten zur Plöner Seenplatte. Lange Zeit brütete die Kolonie aber abseits: zuerst am Heidensee, danach viele Jahre am Güsdorfer Teich. Dort fielen die Vögel kaum auf, und die Inseln im Großen Plöner See blieben grün.

Das hat sich innerhalb von nur drei Jahren grundlegend geändert. 2024 begannen die Vögel, auf Sterin zu brüten, das bis dahin nur ihr Schlafplatz war. 2025 zog der gesamte Brutbestand der Seenplatte dorthin um, gut 300 Nester. Und 2026 wechselte ein Teil der Kolonie auf die deutlich größere Hankenburg. Ortskundige schätzen, dass inzwischen 1.500 bis 2.000 Kormorane am Großen Plöner See leben.

Wichtig ist dabei ein Punkt, der in der Debatte oft untergeht: Es gibt nicht unbedingt mehr Kormorane als früher. Die Zahl der Brutpaare in der Seenplatte liegt nach den langjährigen Zählungen sogar deutlich unter dem Höchststand von 2006. Neu ist, dass sich der gesamte Bestand auf wenigen Hektar Inselwald konzentriert. Selbst Kritiker unserer Initiative sagen, die Kormorane säßen „jetzt auf dem Präsentierteller“.

Was auf den Inseln passiert

Die Folgen sind vom Ufer aus zu sehen. Für den Nestbau reißen die Vögel junge Zweige ab, ihr Kot überzieht Äste und Boden. Brutbäume können so in kurzer Zeit absterben, das bestreiten auch Fachleute nicht. Auf Sterin stehen heute nur noch die Gerippe der Bäume. Auf der Hankenburg ist in diesem Frühjahr und Sommer dasselbe passiert, nur viel schneller: Was es auf Sterin über Jahre gebraucht hat, geschah hier in wenigen Monaten. Was dort noch grün ist, sind Efeu und Mistel.

Und wo Bäume sterben, halten ihre Wurzeln den Boden nicht mehr. Johannes Andresen, Vorsitzender des Schüler Ruder- und Segelvereins, beobachtet das seit Jahren vom Wasser aus: „Die Bäume sterben ab, kippen um und das Wurzelwerk wird ausgespült.“ Dass so etwas nicht nur Theorie ist, zeigt ein Blick in die Ascheberger Bucht: Dort ist nach Auskunft von Cay-Lorenz Graf von Brockdorff-Ahlefeldt bereits eine Insel verschwunden, auf der Kormorane saßen. Nur noch zwei Büsche sind übrig.

Besonders am Herzen liegt mir die dritte Insel, die Olsborg. Dort brüten heute noch keine Kormorane, erste Tiere wurden aber schon gesichtet. Auf der Olsborg stand die slawische Burg Plune, der Ursprung unserer Stadt. Die Insel ist als archäologisches Kulturdenkmal eingetragen, ihre zum Teil mehr als einen Meter dicke Kulturschicht aus dem frühen Mittelalter reicht bis ans Ufer. Und die Insel liegt nur etwa einen Meter über dem Wasserspiegel. Stirbt hier der Wald, liegt ein Stück Plöner Geschichte ungeschützt vor den Wellen.

Warum wir uns eingemischt haben

Die Stadt Plön kann das nicht selbst regeln. Die Inseln gehören dem Land, und die Regeln für die Schutzgebiete macht die Landesregierung. Die Kormoranverordnung des Landes erlaubt es zwar, die Gründung neuer Kolonien schon in der Entstehungsphase zu stören. Ausgerechnet in Naturschutz- und EU-Vogelschutzgebieten gilt das aber nicht. Wo der Schutz am höchsten ist, sind die Hände am stärksten gebunden.

Deshalb haben wir uns am 8. September 2026 mit einem Offenen Brief an Ministerpräsident Daniel Günther, Landwirtschaftsministerin Cornelia Schmachtenberg und Umweltminister Tobias Goldschmidt gewandt und gleichzeitig eine Petition beim Schleswig-Holsteinischen Landtag eingereicht. Unsere Forderungen:

  • Akutmaßnahmen für die Hankenburg prüfen und einleiten
  • die Kormoranverordnung so anpassen, dass gezielte Präventions- und Vergrämungsmaßnahmen auch in Schutzgebieten möglich werden, wenn andere Schutzgüter gefährdet sind
  • ein gemeinsames Monitoring und Management für alle Inseln, denn das offizielle Monitoring im Auftrag des Landes reicht nur bis 2023
  • prüfen, wie geschädigte Inseln wieder zu Wald werden können

Dabei war und ist mir eines wichtig: Es geht uns nicht darum, den Kormoran aus dem Großen Plöner See zu verdrängen. Er bleibt geschützt und ist zum Rasten, Schlafen und Fischen am See weiter zu Hause. Es geht allein um die Frage, ob die Brutkolonie von einzelnen, besonders empfindlichen Inseln ferngehalten werden darf. Auf eine bestimmte Methode der Vergrämung legen wir uns bewusst nicht fest. Welche Maßnahmen wirksam, verhältnismäßig und mit dem Schutz anderer Arten vereinbar sind, sollen Fachleute prüfen.

2.170 Unterschriften

Die Resonanz hat mich ehrlich gesagt überwältigt. Bis zum Ende der Frist am 20. Oktober haben 2.170 Menschen die Petition mitgezeichnet. Damit ist die Marke von 2.000 Mitzeichnungen überschritten, ab der der Petitionsausschuss des Landtags in der Regel öffentlich über ein Anliegen berät. Auch im Plöner Umweltausschuss gab es Bewegung: Ein Antrag der FWG, der in dieselbe Richtung zielt, wurde im September mit 6 Ja-Stimmen bei 3 Nein-Stimmen und einer Enthaltung angenommen und ist inzwischen beim Land.

Nicht alle haben das so gesehen. Der „Reporter“ titelte, eine Vergrämung bedeute „lokale Ausrottung aller Vogelarten“. Das ist schlicht falsch und stellt die Sache auf den Kopf: Unser Ziel ist das Gegenteil, auf den Inseln sollen wieder mehr Arten leben. Eine Richtigstellung hat der „Reporter“ abgelehnt.

Erste Antworten aus Kiel

Inzwischen hat unser Offener Brief Wirkung gezeigt. Landwirtschaftsministerin Cornelia Schmachtenberg hat gegenüber den Kieler Nachrichten erklärt:

Ich nehme die Sorgen um die Inseln im Großen Plöner See und die Auswirkungen wachsender Kormoranbestände sehr ernst. Dabei geht es um den Erhalt wertvoller Lebensräume und anderer Arten ebenso wie um die Existenz unserer heimischen Fischereibetriebe.

Cornelia Schmachtenberg, Landwirtschaftsministerin, in den Kieler Nachrichten vom 3. November 2026

Sie unterstützt eine Überprüfung des Schutzstatus des Kormorans und ein europaweit abgestimmtes Populationsmanagement und will sich im November selbst ein Bild vor Ort machen. Die Agrarministerkonferenz in Würzburg hat sich im September für ein wissenschaftsbasiertes Kormoranmanagement ausgesprochen. Und gemeinsam mit zwölf weiteren Ländern fordert Schleswig-Holstein, den Schutzstatus mit dem Ziel zu ändern, eine Aufnahme des Kormorans als jagdbare Art zu prüfen. „Wir brauchen einen rechtssicheren und praxistauglichen Rahmen, um Bestände gezielt zu managen, Schäden zu begrenzen und unseren Fischereibetrieben eine verlässliche wirtschaftliche Perspektive zu geben“, sagt die Ministerin.

Auch unser Europaabgeordneter Niclas Herbst kommt voraussichtlich Anfang 2027 nach Plön. Er setzt sich in Brüssel dafür ein, dass das Thema auf der Tagesordnung bleibt.

Wie es weitergeht

Die Petition wird jetzt im Petitionsausschuss des Landtags beraten. Parallel setzen wir uns dafür ein, dass eine sachgerechte Überprüfung des Schutzstatus und die Einführung eines Populationsmanagements in das Wahlprogramm der CDU Schleswig-Holstein zur Landtagswahl 2027 aufgenommen werden. Beschlossen werden soll das Programm am 6. Februar 2027. So wird aus einem Plöner Anliegen ein Thema für das ganze Land.

Eine schnelle Lösung wird es nicht geben, denn viele Regeln werden in Brüssel gemacht. Aber die Hankenburg hat uns auch gezeigt, was passiert, wenn man zu lange wartet. Unser Fraktionsvorsitzender Gernot Melzer hat es auf den Punkt gebracht: „Bei der Olsborg haben wir noch die Chance, eine Entwicklung wie auf Sterin und der Hankenburg zu verhindern.“ Dafür bleiben wir dran! Alle Hintergründe, den Offenen Brief und die Petition finden Sie unter cdu-ploen.de/inselrettung. Und wenn Sie Fragen oder Anregungen haben: Sprechen Sie mich gern an!

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